Verteidigungsfähig durch starke Teams – Führung, Selektion und Training im Fokus

(Zürich ZH). Die MILAK-Herbsttagung 2026 rückte den Menschen ins Zentrum der Verteidigungsfähigkeit.

Entlang des Weges von der Rekrutierung bis zur einsatznahen Ausbildung wurde anhand von Einblicken in die erlebte Praxis sowie wissenschaftliche Forschung gezeigt, wie gezielte Selektion, gute Führung und forderndes Teamtraining dazu beitragen, dass Armeeangehörige auch unter Extrembedingungen leistungs- und handlungsfähig bleiben.



Die sicherheitspolitische Lage hat sich grundlegend verändert. Die Leitlinien des Bundesrates richten die Schweizer Armee konsequent auf Verteidigungsfähigkeit aus, mit besonderem Augenmerk auf hybride Bedrohungen und Angriffe aus der Distanz. Damit verbunden ist die Weiterentwicklung von einer Ausbildungs- zu einer Einsatzarmee. Moderne Systeme und Technologien sind unverzichtbar. Wirksam werden sie aber erst durch Menschen, die sie kompetent und auch unter Druck zu Gunsten des Auftrags einzusetzen in der Lage sind.

Brigadier Hugo Roux, Kommandant MILAK, eröffnete die Herbsttagung mit der Frage, was Verteidigungsfähigkeit aus menschlicher Perspektive voraussetzt. Prof. Dr. Hubert Annen zeigte anhand des holistischen Modells der Militärpsychologie, wie die Forschung der MILAK Spuren in der Praxis hinterlassen hat. Dissertationen zu Selektion und Beurteilung, Motivation, Selbstreflexion, Führung sowie Stress und Resilienz liefern Grundlagen für Rekrutierung, Kaderauswahl, Führungsentwicklung und das Training psychologischer Kompetenzen.

Lernen braucht Anleitung und verbindliche Erwartungen

Den roten Faden bildete der Weg eines Angehörigen der Armee von der Rekrutierung bis zur einsatznahen Ausbildung. Videosequenzen machten sichtbar, wie sie diese Stationen erleben. Drei wissenschaftliche Beiträge griffen diese Perspektiven auf.

Prof. Dr. Roland Reichenbach beleuchtete Rekrutierung und Ausbildung aus erziehungswissenschaftlicher Sicht. Er thematisierte Orientierung, Gemeinsinn, Autoritätsanerkennung, Selbstdisziplin und Leistungsbereitschaft als zentrale Elemente. Militärische Ausbildung kann indes nicht allein auf Eigenerfahrung und Selbststeuerung bauen. Lernen braucht auch Anleitung und verbindliche Erwartungen an das Verhalten und Werthaltung.

M.Sc. Marvin Neu nahm die Erfahrungen junger Milizkader zum Ausgangspunkt. Sie müssen früh Verantwortung übernehmen, den Menschen hinter dem Soldaten sehen und Fürsorge mit Auftragserfüllung verbinden. Hohe Anforderungen müssen dabei nicht in eine Druckspirale führen. Inspirierende, adaptive und achtsame Führung kann Energie mobilisieren, Orientierung schaffen und Verantwortungsübernahme ermöglichen.



Auch bei hoher Belastung leistungsfähig bleiben

Prof. Dr. Jan Schmutz-Henestrosa richtete den Blick auf Teams unter Extrembedingungen. Entscheidend ist die realitätsnahe Vorbereitung auf den Ernstfall. Strukturen, Koordination und Zusammenarbeit müssen so trainiert werden, dass Teams auch unter hoher Belastung, Unsicherheit und Zeitdruck leistungsfähig bleiben.

Im abschliessenden Gespräch reflektierten Bundesrat Martin Pfister und Prof. Dr. Hubert Annen die Erkenntnisse, wobei auch Fragen aus dem Publikum aufgegriffen wurden. Die zentrale Botschaft: Trotz rasanter Technologisierung bleibt der Mensch ein entscheidender Erfolgsfaktor. Ihm ist Sorge zu tragen. Zugleich muss militärisches Training fordern. Ziel sind Armeeangehörige, die ihr Wissen und Können auch unter Extrembedingungen und Lebensgefahr zugunsten des Auftrags einsetzen wollen und können.



 

Quelle: Schweizer Armee / MILAK / Kommunikation Verteidigung
Bildquelle: VBS/DDPS, Nicola Pitaro

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